Auswüchse der EU-Datenschutzverordnung

Der für Genelogen nicht unwichtige Verlag Cardamina meldet im aktuellen Newsletter, dass Bücher eingestampft werden:

Aufgrund der ab dem 25.05.2018 zwingend anzuwendenden EU Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), welche am 31.10.2017 in deutsches Recht umgesetzt wurde (Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)), sieht sich der CARDAMINA Verlag veranlasst nur noch solche Publikationen zu vertreiben, die konform mit der dann gültigen Gesetzeslage sind. Dies bedeutet, dass alle Publikationen zum 11.05.2018 aus dem Verlagsprogramm genommen werden, die der DSGVO nicht entsprechen. Als grobe Richtlinie dient zurzeit hier die Veröffentlichung von Datensätzen des Geburtsjahrgangs 1908. Wir werden uns gemeinsam mit den Autoren bemühen die betreffenden Publikationen an die DSGVO angepasst wieder in den Vertrieb aufzunehmen, jedoch werden dann die bisherigen Inhalte nur noch bis zur gesetzlichen Grenze enthalten sein.

„Der Sklave und sein Händler“ von Wolfgang Sorge

Gelungener Genremix

Wolfgang Sorge hat Spaß an historischen Rätseln und Geheimnissen. Bei der Lektüre einer westfälischen Chronik stieß er auf das Gerücht, das lautete: der aus Afrika stammende Tischlergeselle Antonio Congo habe in der Mitte des 19. Jahrhunderts im westfälischen Dorf Ottenstein nach (s)einem Sklavenhändler gesucht. Da es auf dem Friedhof des Ortes tatsächlich eine Grabstelle für einen Antonio Congo gibt, war das Interesse des Autors geweckt. Er hatte das Thema für den Roman „Der Sklave und sein Händler“ gefunden.

Die Geschichte wird erzählt, wie sie sich zugetragen haben könnte. Sie beschränkt sich dabei weder auf eine Zeitebene noch auf ein Genre. Der vorgelegte historische Roman ist in Wahrheit Drama (19. Jahrhundert), Reisebericht (20. Jahrhundert) und Prosatext (2009). Diese Mixtur ist dem Autor gelungen.

Im Drama lernen wir Antonio Congo kennen, der sich 1843 mit seinem Freund Hermann auf die Walz begibt. Erklärtes Ziel ist der kleine Ort Ottenstein, wo er auf Anna-Sophie Schomburg trifft. Das Reisetagebuch entsteht 1926, sein Autor ist der New Yorker Arthur Schomburg. Er schildert darin seine Reise nach Europa, auch ihn verschlägt es für einige Tage nach Ottenstein. Der Prosatext ist schließlich, mit weiteren Schomburgs in den Hauptrollen, zeitgenössisch.

Wolfgang Sorge ist ein spannendes Buch geglückt. Eigentlich Hotelier von Beruf, gründete er seinen eigenen Verlag, in dem „Der Sklave und sein Händler“ als erster Titel erschien. Der Homepage des Wiederkehr-Verlags, aber auch dem Impressum des Buchs ist zu entnehmen, dass Sorge sich Text-Profis an die Seite holte. Er wollte damit seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden. In dieser Zusammenarbeit entstand aus einer guten Geschichte nicht nur ein guter Text, sondern auch ein Beispiel für gelungene Bücher im Selbstverlag. Bravo, Herr Sorge!

Bibliografische Angaben: Wolfgang Sorge. Der Sklave und sein Händler. Wiederkehr Verlag, Hannover 2017. ISBN : 978-3-947108-00-8; 312 Seiten, € 14,80.

„Magere Jahre“ von Nicole Knörr

Der Buchtitel wurde von einer jungen Schweizerin verfasst und schildert ihre Jahre der Magersucht. Der Verlag sieht hier ein „Trendthema“. Gut, dass die sehr junge Autorin am Ende des Titels erkennt, dass sie noch einen langen Weg vor sich hat.

Ist das Buch für andere hilfreich? Zweifel sind vorhanden.

Die Besprechung findet sich hier.

Nicole Knörr. Magere Jahre: Wie ich meine Essstörung überwand. 184 Seiten, 19.– €. Patmos Verlag, Ostfildern 2017. ISBN 978-3-8436-0988-3